REZENSIONEN
Besprechung »Mediation in Bewegung« in der perspektive mediation – 2007/ 2

Ein wichtiges Buch: Erstens, ein Lehrund Übungsbuch, das für unsere zunehmend instabilen Gesellschaften, Organisationen und für uns Menschen notwendig ist. Zweitens: „Dieses Buch enthält zum einen Theorien zum Verständnis von Konflikt und Mediation, und zum anderen bietet es zahlreiche Übungen, mit denen sich die LeserInnen Grundkenntnisse und Basisfähigkeiten der Mediation aneignen können.“ Diese Aussage stimmt. Nun zu den Details: Die beiden Autoren Rudi Ballreich und Friedrich Glasl stellen ihren stetig weiterentwickelten Mediationsansatz vor, basierend auf den umfangreichen theoretischen Erkenntnissen der Konfliktforschung und des Konfliktmanagements. Glasl beschäftigt sich damit seit mehr als 40 Jahren. Mediation in Bewegung wendet sich an PraktikerInnen und Lehrende, die sich explizit mit der Theorie und verstärkt mit der vielfältigen Praxis der Mediation auseinandersetzen wollen. Für jene, die sich sehr viel intensiver theoretisch damit beschäftigen wollen, sei insbesondere auf das klassische Standardwerk von Glasl Konfliktmanagement. Ein Handbuch für Führungskräfte, Beraterinnen und Berater hingewiesen (20048) hingewiesen. Für die Diagnose von Konflikten kann dieses Buch als ein fundiertes, systematisch aufgebautes Lehr- und Übungsbuch verwendet werden. Die Gliederung macht das deutlich sichtbar. Nach einer Einführung in das Konfliktverständnis und in die Mediation (Kap.2) werden umfassende Informationen zu sozialen Konflikten und deren Auswirkungen (wie auch Deformationen) auf das Denken, Handeln, Fühlen und Wollen (Kap.3) aufgezeigt. Denn wie schnell geraten wir Menschen in Simplifizierungen, Zuschreibungen, Verdrehungen, Pauschalierungen, in Sturheit, Rigidität, Verabsolutierungen, Stress oder Empathieverlust? Mehr denn je ist es jetzt erforderlich zu wissen: Was sind Konflikte? Wie können Konflikte eingeschätzt werden? Welche Diagnosedimensionen sind sichtbar? Auf welcher Eskalationsstufe befindet sich der Konflikt? Wie hängen Stress und Bedürfnisfrustrationen mit der Konfliktdynamik zusammen? Fundiert wird dies durch den Ansatz einer bedürfnisorientierten Mediation, ausgearbeitet von Ballreich in Anlehnung an das Konzept von Rosenberg und anderen. Wesentliche Fragen, die nicht nur für die Lehre oder Ausbildung verwendet werden können, sondern auch für Führungskräfte in Organisationen und Unternehmen, um das eigene Konfliktverhalten zu analysieren. Im vierten Kapitel wird der Ablauf einer Mediation konkret dargestellt. Das Rollenverständnis wird thematisiert, Ziele und Grundstrukturen werden dargelegt sowie problembezogene, visionsgeleitete oder prozessfolgende Phasenmodelle ausführlichst beschrieben. Das fünfte Kapitel wendet sich den wichtigsten Basismethoden, dem erforderlichen Handwerkszeug der Mediation zu: Wie wird gefragt? Wie wird das Denken geklärt und wie werden Gesprächsinhalte paraphrasiert? Wie fasst man zusammen? Wie regt man Perspektivenwechsel an? Wie klärt man Gefühle, Bedürfnisse? Wie kann eine Suche nach neuen Handlungsoptionen in die Wege geleitet werden? Wie können Verhandlungsund Entscheidungsprozesse moderiert werden? Zu diesen und weiteren Fragen gibt es Antworten und Übungen. Das Kapitel sechs beschäftigt sich sodann eindringlich mit der Frage: Wie können MediatorInnen ihre eigene Dialog- und Konfliktfähigkeit weiter entwickeln? Diese Frage geht letztlich uns alle an. Wie können wir mit schwierigen Situationen und Gefühlen umgehen? Denkanregungen, die auch für unseren Alltag hilfreich sein können und die zur Förderung des eigenen Selbst dienlich sind. Gerade die beiden vorab genannten Teile präsentieren ein beeindruckendes und umfangreiches Handwerkszeug.
Konkret: Es werden grundlegende Modelle und über 90 Übungen ausführlich mit sehr guten Anleitungen für die Arbeit mit Gruppen vorgestellt. Was wollen wir mehr für die Praxis? Die dort formulierten Fragen regen mehr als notwendige Prozesse an. Denn zu schnell wird heutzutage mit Dualismen und Polarisierungen gearbeitet, insbesondere in den Medien. Differenziertes Denken, Fühlen und Handeln im Sinne gewaltfreier Kommunikation aber scheint noch nicht en vogue zu sein. Das siebte Kapitel beschäftigt sich mit Wirtschaftsmediation. Dazu wurde eine in den Niederlanden erstellte DVD als Übungsmaterial produziert, ein Film, der einen Wirtschaftskonflikt eindrücklich beschreibt und außerdem Fehler in der Mediation sichtbar macht. Schritt für Schritt werden Handlungsanleitungen vorgestellt. Diese DVD können Konfliktpartner zum Kennenlernen der Mediation und zum Abbau von Ängsten und Vorbehalten gegenüber der Mediation sehr wirkungsvoll verwenden. Des Weiteren werden Theorie und Praxismodelle wie u.a. die Perzeptionsklärung nach Blake/Shepard/ Mouton (1964) hinzugefügt bzw. rückgekoppelt. Das achte Kapitel schließt mit grundsätzlichen Thesen: Jeder Konflikt erfordert ein situationsgerechtes Vorgehen, das nondirektive und direktive Interventionen erfordert und einen flexiblen Umgang mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft benötigt. Die qualitativen Wendeerlebnisse werden immer wieder in den Vordergrund gestellt. Abgerundet wird das Buch durch begleitende Dokumente zum Film. Zusammenfassend kann gesagt werden: Das Lehr- und Übungsbuch Mediation in Bewegung beeindruckt durch die interdisziplinäre Verwendung von Theorie und Praxis. Es geht um das Initiieren von Wendepunkten auf der kognitiven, emotionalen und intentionalen Ebene mit dem Ziel des Erarbeitens nachhaltiger Lösungen. Das Abschlusskapitel beginnt mit dem Satz: „Dieses Buch und der Film auf der DVD bilden ein Ganzes. Zusammen ermöglichen sie gut fundiertes Wissen und Verstehen und fördern das kritische Sehen und Unterscheiden von Konfliktphänomen.“
Die Rezensentin stimmt dem zu, ohne Wenn und Aber. Ein lohnenswertes Buch!
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Die Kernkompetenzen für Mediation und Konfliktmanagement
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Ein Praxisbuch mit Filmbeispielen auf DVD

DVD-Reihe Business Mediation

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Mediation in Bewegung, Friedrich Glasl/Rudi Ballreich

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Rudi Ballreich, Friedrich Glasl
Ein Lehr- und Übungsbuch mit Filmbeispielen auf DVD

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