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REZENSIONEN
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Besprechung »Mediation in Bewegung« in den „Spektrum der Mediation Nr 27/ III. Quartal 2007
Viele Jahre lang hat Friedrich Glasl durch sein Konfliktmanagement-Handbuch die deutschsprachigen MediatorInnen mit Grundbegriffen und grundlegenden Bezugssystemen ausgerüstet. Nun setzt er in der von ihm 1985 mitgegründeten TRIGON Entwicklungsberatung gemeinsam mit Rudi Ballreich – ebenfalls TRIGONer – dazu an, den mediationsrelevanten Teil des über die Jahre sorgsam gemehrten Wissenkapitals gezielter und direkter an den Markt zu bringen. Der Markt hat, wie alle wissen, mehrere Ebenen: Mediationsdienstleistung einerseits und Schulung und Training andererseits. Auf letzere zielt TRIGON nun mit einer Publikationsreihe im neuen, hauseigenen Verlag Concadora. Mediation in Bewegung ist der in diesem Frühjahr erschienene erste Titel, im Herbst 2008 soll ein Anleitungsbuch spezifisch für Organisationsmediation folgen; die Zwischenzeit füllt man mit einer deutschen Übersetzung von Dudley Weeks’ The eight essential Steps to Conflict Resolution (Los Angeles, 1992). Der strategischen Sorgfalt, die man bei TRIGON in die Bahnung dieser neuen Schneise investiert, entspricht die Sorgfalt der Darstellung von „Mediation in Bewegung“. Hier wird auf überschaubarem Raum eine detailreiche und schlüssige Anleitung und Erklärung geboten. In einem durchweg einleuchtenden Aufbau werden dabei in Einzelkapiteln dargestellt: Konfliktdynamik – in den bereits vielen von uns vertrauten Begriffen des Konfliktmanagement- Handbuchs, namentlich die seelischen Faktoren und die Eskalationsstufen; Ablauf von Mediation – wobei insbesondere die abwägende, situations-(fall-)orientierte Erörterung unterschiedlicher Phasenmodelle bereichert; Basismethoden einer Mediation – hier bleibt die Darstellung gelegentlich etwas blass; Arbeit an der eigenen Konfliktfähigkeit der MediatorInnen – das Menschenbild der Autoren wird hier besonders deutlich greifbar; Anleitungen für Übungen an Hand der Szenen des mitgelieferten Films – manches davon etwas konstruiert, aber insgesamt wird das Potenzial der Arbeit mit dem Film schön gezeigt; acht Thesen „Was ist das Besondere unseres Ansatzes” – sind sehr wertvoll, wenn man sie nicht im Sinne eines Urhebervermerkes versteht, sondern als Erläuterung dessen, was den Autoren bei ihrer Arbeit besonders wichtig ist; und schließlich ein Anhang mit schriftlichen Dokumenten zum Inhalt des Films auf der DVD. Die Arbeit mit diesem Buch und seinen Begleitmaterialien dürfte für EinsteigerInnen wie auch für alte HäsInnen ausgesprochen lohnend sein. Der Film – synchronisierte Fassung eines niederländischen Films – ist aufwändig und einleuchtendgestaltet, technisch wie inhaltlich. Er bewegt sich fachlich im Mainstream; die Verknüpfungen mit den Konzepten von Glasl und Ballreich werden erst durch die von ihnen vorgeschlagenen Übungen hergestellt. Daraus resultiert eine breite Einsatzmöglichkeit für den Film – auch, wie von den Autoren nahe gelegt, als Information für potenzielle MediationskundInnen, die dafür noch eigens ein kleines Heft bekommen (liegt dem Buch mit der DVD bei). Man darf annehmen, dass dieser Film und die Art seiner Einbettung in das Buch – wie zuvor schon bei Hartmut Schäffer (Mediation: Die Grundlagen) – die Auseinandersetzung mit Mediationsfilmen bei unseren KollegInnen überhaupt beleben wird. Ich freue mich herzlich über diese Neuerscheinung, deren Autoren beide Mitglieder des BM sind. Für Mitglieder von Mediationsverbänden hat der Verlag eine Paperback Sonderausgabe hergestellt. Diese kann über die Concadora-Website zu einem Preis von 66.-€ (sonst 89,-€) bestellt werden (http://www.entwicklung.com/concadora.html). Dazu ist die Eingabe von 2 Passwörtern notwendig, die in der GS Kassel erfragt werden können. Am Rande ist noch interessant zu beobachten, wie das Fach Mediation einen Sog auf Fachleute benachbarter und verwandter Disziplinen ausübt, sie anzieht und um sich schart. Glasl’s Konfliktmanagement, Gewaltfreie Kommunikation, Klärungshilfe, Systemische Strukturaufstellungen – sie alle sind bei praktisch jedem Mediationskongress vertreten. Die Verheißung der Mediation (The Promise of Mediation) schließt keine Renditeversprechen ein. Es muss etwas Anderes und Wunderbares sein, das diese Anziehungskraft auf uns alle (mich selbst eingeschlossen) entfaltet.
Der Rezensent Wilfried Kerntke ist der Vorsitzende des Bundesverbandes Mediation E.V.
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